Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

Mann mit Dutt gegen pura vida und Kreuzritter gegen cane non mangia cane – WM-Sprach- und Stilkritik zum 14.6.2014

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Was für ein Abend! Das ARD-Team hat wieder alle Rekorde gebrochen, was schlechte Manieren und sprachliche Tiefschläge betrifft. Ich bin trotzdem ein heimlicher Fan von Mehmet Scholl (Me), dessen zurückhaltender Charme recht niedlich daher kommt und dem ich deswegen manche Entgleisung gern verzeihe. Zudem hat er gegen Matthias Opdenhövel (Mo) keine Chance. Beide fallen sich ständig ins Wort, wobei Mos Frequenz bei geschätzten 70 Prozent liegt – dafür gibt es eine 6 in gutem Betragen, schließlich soll man den anderen ausreden lassen.

Mos Sprechgeschwindigkeit hat sich seit 2010 noch einmal erhöht, sodass es mitunter schwierig ist, den Sinn der heruntergehetzten Sätze zu erschließen – dafür gibt es eine 6 im Fach Rücksichtnahme auf den zuhörenden Zuschauer. Mos schönste Fehlleistungen: 1. „Manaus ist definitiv die Sauna der WM.“ Er meinte das Stadion, in dem es sehr schwül ist; und eine Weltmeisterschaft kann keine Sauna sein. Zum zweiten hätte ein Hinweis auf den unsinnigen Bau der Arena im Dschungel, bei dem 4 Menschen starben, etwas Tiefe geboten. Ich stelle aber immer wieder fest, dass Sportreporter entweder falsch oder gar nicht recherchieren. 2. „Das wird mich in meiner Meinung nicht umändern.“  Mo gibt hier den versierten Simultan-Dolmetscher eines Twitterbeitrags von Buffon. Dafür gibt es natürlich eine 6 im Fach Italienisch.

Mes dümmliche Feststellung „Der Grieche an sich stolpert ins Turnier“ ist keine Glanzleistung, was Respekt betrifft. Das umgangssprachliche „an sich“ suggeriert zudem, dass jeder Grieche bei Turnieren stolpert; und eigentlich meint Me, dass die griechische Mannschaft etwas Zeit braucht, um bei der WM gut Fußball zu spielen. Gut gefallen hat mir Mes „afrikanische Grätschen gegen südamerikanische Fouls“ – das zeigt ausbaufähiges Potenzial, Herr Scholl.

Gerd Gottlob, Moderator des Spiels Kolumbien – Griechenland: „Das Spielverständnis war nicht optimal ausgenutzt.“ Ein Verständnis kann man nicht ausnutzen, man kann allerdings seinen Verstand benutzen, um etwas mehr Verständnis zu erlangen.

Tom Bartels, Moderator des Spiels Uruguay – Costa Rica: „Mit beiden Beinen um den Bauch fassen, das macht einen vorzüglichen Eindruck.“ Dies war ein Kommentar zu einem Foul, bei dem ein Spieler einen anderen mit den Beinen umklammerte (Hände können fassen, Beine jedoch nicht), und das machten eher keinen guten Eindruck.

Die Griechen tragen hanseatische Polokragen und versuchen sich im maritimen Look. Das hat leider nicht dazu beigetragen, das Schiff in den sicheren Hafen zu lotsen.

Martin Cáceres, der Mann mit dem Dutt, zeigt uns den Bund seiner Unterhose mit dem Aufdruck „men“ – eine reizvolle Mischung aus 50er-Jahre-Frisur und Genderzuordnung. So macht er unmissverständlich klar, dass er wirklich ein Mann ist (und nicht etwa eine Frau).

Die englischen weißen Warmhaltecapes mit überdimensionalem roten Kreuz auf dem Rücken erinnern an Richard Löwenherz, der es auch beim dritten Kreuzzug nicht schaffte, Jerusalem einzunehmen. Da hat der Ausstatter der englischen Mannschaft leider kein Gewinner-Symbol ausgewählt.

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