Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

In Recife sitzt der Genitiv auf der Bank und wird nass – WM-Sprach- und Stilkritik zum 26.6.2014

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Es hat wieder geregnet, und das musste Olli 2 so kommentieren: „Trotz diesem Regen wird das schon werden.“ Bastian Sick hat sich dem Thema umfassend gewidmet, sodass ich hier nur die Auflösung des Rätsels liefere: „Das wird trotz des Regens schon werden.“ http://www.canoo.net/services/Controller?project=1&language=0&service=glossary&input=Genitiv&expression=3847

Olli 2 hat immer noch Probleme mit den Indefinitpronomen, so verwechselt er immer noch die Anrede „du“ mit dem unbestimmten „man“: „Wenn du (Olli 1 anblickend) als Torwart nicht immer konzentriert bist, dann bist du (in die Kamera den Zuschauer anblickend) einfach nicht gut genug.“ Immerhin haben wir jetzt verstanden, dass weder Herr Welcke noch wir jemals gute Torwarte sein werden. Olli 2 braucht neben Grammatiktraining auch dringend einen Stylisten – das in Mausbraun und Schlamm changierende Jackett mit wulstigen Nähten sieht aus, als hätte er es bei einer Versteigerung von Honeckers Kleidersammlung erworben.

Olli 3 (Oliver Schmidt) hingegen beherrscht zumindest den Genitiv, muss es dann aber auch gleich übertreiben: „Das ist der Horror eines jeden Trainers.“

Sonst neigte Olli 3 dazu, nicht richtig informiert zu sein: „Beckerman ist der Frisurenweltmeister der WM.“ Aber das war doch Fellaini, oder?

Im weiteren Spielverlauf schaute er auch nicht genau hin, zudem zeigt er eine gewisse Rechenschwäche, so über Thomas Müller: „Der Starkstromfußballer trifft und trifft und trifft.“ (Beim Stand von 1:0 hat Müller nicht dreimal getroffen.)

Er empfiehlt allen Zuschauern, dringendst einen Optiker aufzusuchen: „Die Lesehilfe für die Nationalhymne finden Sie auf …“ Falsches Wort, unhöfliches Benehmen.

Krumme Vergleiche würzen wieder den Fußballabend: „Mertesacker ist irgendwie auch ein Müller.“ oder auch: „Die Deutschen haben gewonnen, ohne ein Feuerwerk des Hochglanzfußballs abbrennen zu müssen.“

Tröstlich und aufmunternd war dann aber das Interview, das KMH mit Jogi Löw führte. Nach den unerträglich banalen Intermezzi der letzten Wochen durfte sie endlich einmal Sachverstand zeigen und kluge Fragen stellen. Der gute Eindruck wurde leider abgemildert durch das Outfit: Dieses pinkfarbene Blümchen-Wickeldings sollte wohl brasilianisches Flair ausstrahlen, die grünen Schlabbershorts, die Einblick bis fast zum Höschenrand boten, wieder die schönen schlanken Beine in Szene setzen. Ich hätte zu einem schlichten weißen T-Shirt mit kniebedeckendem einfarbigen Rock geraten: Das hätte der Sache die Seriosität gegeben, die ein Bundestrainer von den Medien erwarten darf.

Die Fotos (Tarun Biswas) zeigen die Anfahrt der Fans zum Stadion in Recife.

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One thought on “In Recife sitzt der Genitiv auf der Bank und wird nass – WM-Sprach- und Stilkritik zum 26.6.2014

  1. Is that really all there is to it because that’d be fleabargbsting.

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