Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

Fußballglück im Schrebergarten – WM-Sprach- und Stilkritik zum 4.7.2014

| Leave a comment

Die erwerbslose Mutter von 5 Kindern stellt ihren Schrebergarten zur Verfügung, damit eine ganz normale Grundschulklasse ihr Sommerfest feiern kann. Der vietnamesische Vater, kaum des Deutschen mächtig, hat verstanden, dass fast alle das Viertelfinale schauen wollen und schleppt seinen Flachbildfernseher 2 Kilometer zu Fuß zur Gartenkolonie. An den zwei Grillstationen – eine mit und eine ohne Schweinefleisch – fachsimpeln ein IT-Manager und ein Lagerarbeiter über das Grillgut. Die griechische Hortbetreuerin begleitet die Kinder von der Schule zum Garten, damit niemand verloren geht. Die syrische Flüchtlingsmutter bringt trotz größter Armut eine Spezialität mit, die sie nachts zubereitet hat. Das somalische Kopftuchmädchen spielt tapfer mit, obwohl sie noch kein Wort Deutsch versteht – die deutschen Kinder behelfen sich mit Gesten, damit sie dabei sein kann. Zwei pubertierende Jungen werfen ihre kreischende Mutter ins Planschbecken. Der katholische Pfarrer hat die Tür zum Gotteshaus geöffnet, damit alle zur Toilette können. Die Wohlsituierten legen diskret mehr in die Klassenkasse, damit nicht auffällt, dass diejenigen, für die 3 Euro eine Menge Geld sind, nichts hineintun können. Die Hauptschülerin diskutiert mit einer Personalmanagerin darüber, ob Mats Hummels der schönste Mann der WM ist. Die Lehrerin raucht nach dem 1 : 0 eine Zigarette und die Lektorin trinkt ein Schwarzwälder Bier.

Fußball verbindet.

Hätte Steffen Simon nicht Sätze wie „Die Uhr ist der beste Freund des deutschen Teams“ (so schnell kann aus einer Sie ein Er werden) oder „Die Kreativität geht, es kommt die geballte Körperlichkeit“ (dazu fällt auch mir nichts mehr ein) gesagt, wäre ich noch heiterer nach Hause gegangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.