Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

E-Mail mit Stil – 2. Die Anrede: Titel, Thesen, Temperamente oder Hallo, ich liebe dich nicht

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„Ich empfinde es als höflich, einen Menschen, der mit mir kommuniziert, mit einem netten Gruß anzusprechen“, schreibt Jan Schaumann, Etikette-Trainer. (http://www.sueddeutsche.de/karriere/umgangsformen-im-buero-e-mail-ohne-anrede-der-chef-darf-das-1.1022713)

Ja, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, scheint für viele Menschen im E-Mail-Austausch keinen Wert zu haben. Von gar keiner Anrede („Im Alltag würde kaum jemand auf die Idee kommen, einen anderen Menschen grußlos anzusprechen, um ihm unmittelbar sein Anliegen mitzuteilen. Insofern sollte es das Mindestmaß an Umgangsformen in der schriftlichen Kommunikation bedeuten, eine Unterhaltung im weitesten Sinne ebenfalls damit zu eröffnen“, so Schaumann) bis zu umständlichen und falschen oder auch überhöflichen Formulierungen reicht die Palette. Deshalb:

      1. Gar keine Anrede geht gar nicht. Das ist absolut schlechtes Benehmen.

 

      1. Sehr geehrte Frau / Sehr geehrter Herr / Sehr geehrte Damen und Herren – ist die Standardformel, wenn wir zum ersten Mal Kontakt zu jemandem aufnehmen. „Lieber förmlich als zu vertraulich – Benutzen Sie die vertraulicheren Anredeformen nur bei Leuten, die Sie (…) gut kennen. Sonst ist die Unsicherheit zu groß, ob diese persönliche Art ankommt oder nicht“, empfiehlt auch Christoph Eichhorn. http://www.x-7.de/links/email-netiquette/richtige-anrede.html

 

      1. Liebe Frau / Lieber Herr – Im weiteren E-Mail-Austausch, wenn man sich „kennengelernt“ hat, ist es durchaus angebracht, einen persönlicheren Ton anzuschlagen. Viele Menschen mögen das „Liebe / Lieber“ aber nicht und führen das Argument an, man würde sich seinen Vorgesetzten, Kollegen oder Geschäftspartner ja nicht inniglich verbunden fühlen. Tatsächlich wird es ein wenig heikel, wenn man zum „Liebe / Lieber“ übergegangen ist – und es kommen eine unangenehme Job-Auseinandersetzung, ein Missverständnis oder gar Fehler, die man im geschäftlichen Austausch gemacht hat, dazwischen. Dann kann der Ton schon einmal frostig werden und von Lieb haben ist keine Rede mehr. Was tun? Vor allem im Intranet, wo sich Kollegen und Kolleginnen, die wir auch täglich in der Kantine, am Drucker oder am Waschbecken der Toilette treffen, per E-Mail austauschen, kann es peinlich werden. Ich rate: entweder nie zum Lieben übergehen und immer das Ehrenwerte wählen, denn hat man sich einmal lieb gehabt, kommt die Rückkehr zur Sachlichkeit nicht gut an. Oder strikt beim Lieben bleiben und den Konflikt alsbald telefonisch oder im persönlichen Gespräch klären.

 

      1. Hallo – Viele Stilratgeber für Geschäftskorrespondenz haben nichts gegen diese lässige Allerweltsbegrüßung. Ich rate dringend ab: „Hallo“ sage ich zu dem Nachbarshund, der die Nacht auf meiner Türmatte verbracht hat, oder mit einem Lächeln zu der Bäckereiverkäuferin, die mir das größte Stück Butterkuchen geben soll. Man sagt es auch zu Bekannten, die man auf der Straße trifft oder zu Freunden, die abends anrufen. In der geschäftlichen Korrespondenz hat es nichts zu suchen, weil wir mit Kollegen, Vorgesetzten, Dienstleistern und Kunden nicht befreundet sind. Denn „Hallo“ vermittelt nur eins: Du bist weder „geehrt“ noch „geliebt“ und ich befinde Dich gerade noch wert, Dich mit einem hilflosen „Ich-weiß-auch-nicht-wie-ich Dich-ansprechen-Soll“ zu beschenken. Da wir sprachlich begabte Wesen sind, bedienen wir und also einiger kreativer und viel passenderer Varianten. Z. B.:

 

      1. Guten Tag, Frau / Herr… oder andere Tageszeiten, zu denen wir gerade die E-Mail schreiben. Eine Variante, die ich gern verwende, ist, schon mit dem Inhaltlichen zu beginnen und in der ersten Zeile den Namen einzuflechten: „Ihr Hund hat wieder meine Türmatte vollgehaart, liebe Frau Meier, …“

 

      1. Damit sind wir schon bei den Namen unserer Adressaten – ganz schlechter Stil ist es, den Namen des Empfängers falsch zu schreiben, das kann durchaus beleidigend wirken, weil man kein echtes Interesse zeigt. Ob die Hundebesitzerin Meier, Maier, Mayer oder gar Meyer geschrieben wird, sollte man also unbedingt vor dem Absenden noch einmal überprüfen.

 

      1. Für viele Menschen undurchschaubar ist auch die Handhabung im Schriftverkehr mit Titeln und akademischen Graden. Für eine Person, die mehr als einen Titel hat wird nur der höchste Titel genutzt. Professorin Dr. vet. Meier wird mit „Sehr geehrte Frau Professorin“ angeschrieben. Bei der Anrede von mehreren Personen muss die Hierarchie beachtet werden. Genannt wird immer zuerst der/die Ranghöhere: „Sehr geehrte Frau Professorin Meier, sehr geehrte Frau Dr. Müller…“ Sind beide gleichgestellt, wird zuerst die Frau erwähnt. (http://www.knigge.de/themen/kommunikation/briefe-11616.htm) Grundsätzlich gilt: Für die korrekte Anrede spielen heute nur noch die akademischen Grade und Adelstitel eine Rolle. Berufs- und Funktionsbezeichnungen können wir weglassen.

 

 

 

 

 

 

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