Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

E-Mail mit Stil: 1. Die Betreffzeile – Übergewicht ist ungesund

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Manche Leute meinen, dass sie jedwede Information gleich in die Betreffzeile pressen müssen, weil sie fürchten, man lese die eigentliche Mail erst gar nicht. Oft finden wir dieses Vorgehen in unserem Spam-Ordner, oder wenn jemand uns zum ersten Mal kontaktiert. Dieses „Alles-rein-was-geht“ ist nicht nur kontraproduktiv (meist löschen wir diese Mails tatsächlich sofort), sondern auch stillos und unhöflich. Haben wir ein seriöses Anliegen, schreiben wir das Wesentliche in maximal drei bis vier Schlagwörtern in die Betreffzeile und vertiefen unser Begehren in „italienischer Länge“ (S. Kapitel 7).

Ein Beispiel aus dem Lektoratsbüro: Ein Autor, dessen Roman ich zur Hälfte durchgearbeitet hatte, konnte es vor lauter Neugierde und Nervosität nicht mehr aushalten und wollte unbedingt wissen, wie meine Einschätzung seines Manuskripts ausfällt. Ich hatte aber im Vorgespräch ganz deutlich gemacht, dass er sich gedulden müsse, bis ich die letzte Seite lektoriert hätte – sonst könne ich gar kein umfassendes Urteil abgeben.

Die Betreffzeile seiner Verzweiflungsmail sah so aus:

„Hilfe! Ich bin so neugierig, ich kann nicht schlafen, können Sie mir bitte etwas zu meinem Roman sagen, vor allem zum 7. Kapitel, das war doch noch so unausgereift …“

Natürlich brach der Text ab, denn die Betreffzeile bietet nun einmal wenig Raum. Im eigentlichen Textfeld stand – nichts. Nicht einmal eine freundliche Anrede oder eine vertiefende Analyse seiner Missstimmung. So etwas forciert schlechte Stimmung beim Empfänger, und die Antwort wird höchstwahrscheinlich ziemlich unwirsch ausfallen.

Ausrufungszeichen, Inversalien und Emoticons haben in der Betreffzeile absolut nichts zu suchen, denn wer den Empfänger anbrüllt, muss damit rechnen, gleich aus dem Verteiler gelöscht zu werden.

Eine wirklich schöne Haltung zur Betreffzeile hat Heike Thormann

(http://www.kreativesdenken.com/artikel/e-mails-schreiben.html):

„Wenn Sie wollen, dass Ihre E-Mail ungelesen gelöscht wird, dann verzichten Sie auf die Betreffzeile oder füllen Sie sie mit Schlagworten wie „wichtig, neu, aktuell, hot.“ Oder man macht es so wie mein verzweifelter Autor. Und weiter schreibt sie: „Der Betreff entscheidet, ob ich eine E-Mail lese oder nicht. Der Betreff entscheidet, ob ich eine E-Mail wiederfinde oder nicht. Der Betreff entscheidet, ob ich eine E-Mail lösche oder nicht. Alles andere ist Notwehr.“

Thormanns Haltung zur Rechtschreibung ist allerdings denkwürdig: „Wenn Sie mit der NDR (neuen deutschen Rechtschreibung) auf Kriegsfuß stehen, dann verwenden Sie die alte ( … ). Aber verwenden Sie eine.“

So geht das natürlich nicht.

One thought on “E-Mail mit Stil: 1. Die Betreffzeile – Übergewicht ist ungesund

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