Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.

Die Schlacht in Fortaleza und das Nichts während der Halbzeit – WM-Sprach- und Stilkritik zum 21.6.2014

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Die Gleichsetzung von Krieg und Fußball hat eine lange Tradition; und gerade, wenn die deutsche Nationalmannschaft spielt, setzen Moderatoren und Sportreporter ungehemmt und unüberlegt Kriegsrhetorik ein. Hier ein paar Beispiele für „ressentimentbildende Ausdrucksweisen“ (http://www.friedenspaedagogik.de/materialien/kriege/kriegsgeschehen_verstehen/medien_und_krieg/kriegsrhetorik/analyseraster_fuer_kriegsrhetorik) von Tom Bartels, Reporter des Spiels Deutschland-Ghana: „Die übermächtige deutsche Mannschaft könnte über Ghana hinwegrauschen.“, „Mensa packt die nackte Angst, wenn Özil kommt.“, „Das Brüderduell“, „Die deutsche Dominanz“, „Deutschland hat geantwortet.“, „Jetzt macht Deutschland ernst.“, „Die Abwehr ist kampferprobt.“

Zusätzlich wird der Zuschauer zur Einstimmung auf ein eigentlich friedliches, sportliches Zusammenkommen von 25 Menschen auf den Kriegszustand mit Bildern beglückt, die zeigen, wie der deutsche Mannschaftsbus von „25 Motorrädern, 3 Hubschraubern und unfassbar viel Militär“ (Jürgen, der Außenreporter) zum Stadion begleitet wird.

Das gefällt mir nicht.

Wie schön, dass zum Ende des Spiels wieder Harmonie herrscht:

Mo: „Ich liebe dich.“ Me: „Ich erinnere mich dunkel.“

Allen, denen das martialische Gebrabbel unerträglich in den Ohren dröhnt, empfehle ich, während der zweiten Halbzeit eines WM-Spiels, an dem die deutsche Mannschaft beteiligt ist, heimlich den Raum zu verlassen, hinauszutreten, in den Himmel zu schauen und zu lauschen: Die Welt ist menschenleer, kein Laut ist zu hören außer dem Streit der Elstern in der Linde und einem leisen Rauschen des Mitsommerwindes.

Die rot-weiß geringelten Kniestrümpfe der Iraner erinnern an die Lutschstangen vom Dom (für Nichthamburger: Jahrmarkt oder Kirmes): https://www.sweets-online.com/lutscher/zuckerstangen/zuckerstange-schirme-rot-weiss-gebogen-50-stueck/a-4345/

Ich finde das süß.

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