Sprach- und Stilkritik

Corinna schaut hin und hört zu.


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Über das Beißen – WM-Sprach- und Stilkritik zum 24.6.2014

Es ist das Thema des Tages. Machen wir uns also auf in die Welt der Überschriftenkünstler; hier eine Auswahl der Titel von heute, 25. Juni 2014:

„Chiellini wird zum Opfer: Suárez beißt wieder zu“ (Kicker online) – Hier wird noch einigermaßen sachlich das Ereignis benannt und die Beteiligten bekommen einen Namen.

„Krass! WM-Star Luis Suárez beißt seinen Gegner!“ (Promiflash online) – Jugendsprache und zwei unnötige Ausrufungszeichen signalisieren mit ihrer „schreienden“ und lauten Grafik dem Leser die unerhörte Drastik des Vorfalls.

„Suárez beißt Italien raus – Prandelli tritt zurück“ (Hamburger Abendblatt online) – Ein Mensch kann kein Land beißen, schon gar nicht ein Stück davon abbeißen. Der italienische Trainer wird genannt, nicht aber der gebissene Chiellini.

„Suárez beißt Italien weg“ (fanfeed.de) – Nein, Suárez kann nicht nur einem Land ein Stück abbeißen, er kann es sogar einfach ganz und gar irgendwohin beißen.

„Luis Suárez – Ein Stürmer beißt sich durch“ (welt online) – Hier wird das Ereignis gar nicht mehr benannt, wir erfahren, dass der Mensch Suárez ein Fußballspieler auf einer wichtigen Position ist, zudem hat er wohl ein schweres Schicksal, denn er muss sich „durchbeißen“.

„Kannibale Suárez beißt schon wieder zu“ (Sport24 online) – Nun wird aus einem vom Schicksal Gebeutelten ein Menschenfresser. Es war aber nicht zu sehen, dass Suárez Chiellini ein Stück Schulter abgebissen hat.

„ „Vampir“ Suárez beißt wieder zu“ (MSN sport online) – Jetzt verwandelt sich Suárez vom Menschenfresser in einen Blutsauger. Vampire schlagen der Sage nach aber in der Regel nachts zu – dies ist also ein unglücklicher Vergleich, denn es war taghell.

„Beißattacke gegen Chiellini – Suárez wird rückfällig“ (ntv-online) – Auch hier wird an das Mitgefühl des Lesers für einen geplagten Fußballspieler appelliert, anstatt das genaue Ereignis zu nennen.

Meine liebste Überschrift, die unkommentiert glänzen darf:

„WM-Aus für Italien – Uruguay beißt sich ins Achtelfinale“ (Mitteldeutsche Zeitung online)


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Wenn ich beim WM-Club bin, dann fotobombe ich – WM-Sprach- und Stilkritik zum 23.6.2013

Der Vorreigen neigt sich dem Ende, alle warten ungeduldig auf die K. o.-Runde mit Verlängerungen und Elfmeterschießen. Auch macht sich eine gewisse Erschöpfung breit, die sich in ellenlangen Mutmaßungen darüber äußert, wer gegen wen mit welchem Ergebnis und wann ins Achtelfinale kommt. Dabei befleißigen sich Moderatoren der temporalen „Wenn-dann-Formel“, die man gestern Abend etwa 500 Mal und hartnäckig zu hören bekam: „Wenn Mexiko gegen Kroatien unentschieden spielt, dann …“. http://www.duden.de/rechtschreibung/wenn#Bedeutung5 Aber konsequent sein ist nicht alles, das wissen alle Eltern. http://www.medizin-im-text.de/blog/2012/15019/wenn-dann-satze-in-der-erziehung/

Unbedingt abraten möchte ich vom WM-Club der ARD. Hierzu werden unter anderem Schauspielerinnen eingeladen, die überdimensionale roséfarbene und teppichartige Trenchcoats tragen. Deren Fußball-Expertentum gründet sich darauf, dass sie einmal einen Fan-Brief von Jogi Löw bekam. Zudem zeichnet sich das Format durch unerträgliche Wiederholungen umgangssprachlicher Wörter wie „geil“, „ist doch scheiße“ oder gar „fotobomben“ aus.

http://www.sportschau.de/fifawm2014/video/videowmclubvomberlinerbadeschiff100.html

 


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Geräuschlose und laute Schnappatmung und Maschinenpistolen im Stadion – WM-Sprach – und Stilkritik zum 22.6.2014

Achtet man auf Bela Rethys Sprechweise und blendet bewusst – was mitunter recht schwer ist – die Sprach-, Stil- und Grammatikfehler aus – bemerkt man quälend lange stille Pausen zwischen einzelnen Wörtern, bevor Rethy sich zum Punkt vorangearbeitet und den Satz endlich abschließt: „Das war … sicher ein Grund … für seine … … … Verletzung.“

Eine Meisterin der geräuschvollen Schnappatmung an falschen Satzstellen ist übrigens Gundula Gause vom heute journal: „Bundespräsident (huahh!) Gauck wies bei einer Veranstaltung (huahh!) mit drastischen Worten Neonazis (huahh! plus aufgerissene Augen) zurecht (huah!).“ Das ist übrigens ein Grund, warum ich lieber die Tagesthemen schaue. Ich empfehle beiden diese Adresse, ist auch gar nicht weit vom Lerchenberg entfernt: http://weiterbildungsportal.rlp.de/k1915031?q=Stimmbildung

In der Halbzeitpause des Spiels Belgien – Russland fährt die Kamera über das Stadionpublikum und bleibt bei einem männlichen Fan hängen, der ein Schild mit der Aufschrift „Fellaini, marry me“ hochhält.

Rethy: „Oh … ist das nicht ein Mann? … Na ja, ist ja mittlerweile auch erlaubt.“

Hören wir hier vielleicht eine gewisse Ablehnung liberalen Denkens heraus?

Mein Reporter vor Ort, Tarun Biswas, stellt mir heute dieses Foto zur Verfügung, mit der Anmerkung: „Dass der Mannschaftsbus eskortiert wird, macht ja in einigen brasilianischen Städten sehr viel Sinn, und auch sonst waren die Damen und Herren der Militärpolizei außerordentlich freundlich und hilfsbereit. Dass aber die FIFA-Stewards beim Abhängen deutscher Banner von Polizisten mit Maschinenpistolen eskortiert wurden … Das hat im Stadion nichts zu suchen.“ Dem schließe ich mich an.10462544_10154264384640082_7511969732031103168_n


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Die Schlacht in Fortaleza und das Nichts während der Halbzeit – WM-Sprach- und Stilkritik zum 21.6.2014

Die Gleichsetzung von Krieg und Fußball hat eine lange Tradition; und gerade, wenn die deutsche Nationalmannschaft spielt, setzen Moderatoren und Sportreporter ungehemmt und unüberlegt Kriegsrhetorik ein. Hier ein paar Beispiele für „ressentimentbildende Ausdrucksweisen“ (http://www.friedenspaedagogik.de/materialien/kriege/kriegsgeschehen_verstehen/medien_und_krieg/kriegsrhetorik/analyseraster_fuer_kriegsrhetorik) von Tom Bartels, Reporter des Spiels Deutschland-Ghana: „Die übermächtige deutsche Mannschaft könnte über Ghana hinwegrauschen.“, „Mensa packt die nackte Angst, wenn Özil kommt.“, „Das Brüderduell“, „Die deutsche Dominanz“, „Deutschland hat geantwortet.“, „Jetzt macht Deutschland ernst.“, „Die Abwehr ist kampferprobt.“

Zusätzlich wird der Zuschauer zur Einstimmung auf ein eigentlich friedliches, sportliches Zusammenkommen von 25 Menschen auf den Kriegszustand mit Bildern beglückt, die zeigen, wie der deutsche Mannschaftsbus von „25 Motorrädern, 3 Hubschraubern und unfassbar viel Militär“ (Jürgen, der Außenreporter) zum Stadion begleitet wird.

Das gefällt mir nicht.

Wie schön, dass zum Ende des Spiels wieder Harmonie herrscht:

Mo: „Ich liebe dich.“ Me: „Ich erinnere mich dunkel.“

Allen, denen das martialische Gebrabbel unerträglich in den Ohren dröhnt, empfehle ich, während der zweiten Halbzeit eines WM-Spiels, an dem die deutsche Mannschaft beteiligt ist, heimlich den Raum zu verlassen, hinauszutreten, in den Himmel zu schauen und zu lauschen: Die Welt ist menschenleer, kein Laut ist zu hören außer dem Streit der Elstern in der Linde und einem leisen Rauschen des Mitsommerwindes.

Die rot-weiß geringelten Kniestrümpfe der Iraner erinnern an die Lutschstangen vom Dom (für Nichthamburger: Jahrmarkt oder Kirmes): https://www.sweets-online.com/lutscher/zuckerstangen/zuckerstange-schirme-rot-weiss-gebogen-50-stueck/a-4345/

Ich finde das süß.


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Asthma und niedergehendes Gefrorenes – WM-Sprach-und Stilkritik zum 19.6.2014

Die Rückmeldungen häufen sich, was mich sehr freut. So z. B. von Florian, der darum bat, Mes stilsichere Abschiedsrede für die Spanier positiv zu würdigen. Ich schließe mich Florians und Mes Meinung an: „Da gehen jetzt einige Spieler von Bord, die über Jahre Topleistungen gebracht haben, alles gewonnen haben. Sie haben uns viel Freude gemacht – aber auch sehr wehgetan.“

Kathrin Müller Hohenstein (KMH) führt flache, inhaltslose Interviews mit den Spielern und Betreuern der deutschen Nationalmannschaft, als Beispiel soll dieses „Gespräch“ mit Mario Götze dienen:

KMH: „Sind Sie auch bei der Schafskopfrunde dabei?“

Götze: „Mmpf.“

KMH: „Siewirken immer so mürrisch.“

Götze: „Mmpf.“

Olli 3 (Oliver Schmidt) ist im Spiel England – Uruguay in so viele Sprachuntiefen gefallen und Stil-Fettnäpfchen getreten, dass der zunächst gute Eindruck hinfällig wird.

„Er ist der linke Lungenflügel Uruguays.“ Ja, das ist eine Allliteration, das war es aber auch schon; ein intelligenter Vergleich ist es nicht.

„Uruguay ist ein verrücktes kleines Land.“ Ein peinliches Pauschalurteil.

„Er hat um die Gefahrenzone ein enges Gefahrenpaket geschnürt.“ Das kommt davon, wenn man zu oft die Bildzeitung liest.

„Wenn Souarez auf die Toilette geht, regnet es Einwürfel.“ Igitt.

Ich danke Fanny Vildebrandt für diese herausragende Recherchearbeit:

https://www.freitag.de/autoren/mdell/talent-leidenschaft-leistung?utm_content=buffer3d29b&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

Die Spieler der uruguayischen (und nicht etwa“ uruguayanischen“, wie alle Moderatoren falsch sagen) Nationalmannschaft stellen mit Abstand die attraktivsten Männer der WM. Edinson Cavani könnte der kleine Bruder von Orlando sein. Ich mein‘ ja nur.


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Phraseologische Zwillingsformeln, Alliterationen mit Anfangslaut und Gottes Fügungen – WM-Sprach- und Stilkritik zum 18.6.2014

Me (Scholl) war zunächst nicht in Form, wirkte desolat und übermüdet, stotterte und hatte Wortfindungsstörungen, was bei Mo (Opdenhövel) zu enerviertem Augenrollen führte. So war der M-und-M-Prolog zum Spiel Australien – Niederlande auf das Wesentliche beschränkt.

Mo: „Bist du geistig da … ?“

Me: „Äh, nö, ja, ich heb dann die Hand?“

Ein temporeiches und spannendes Spiel sorgte auch nicht dafür, Me aufzuwecken.

Me: „Gibt’s ein Wort für super?“

Mo: „Ja, äh, … großartig?“ (Hier hätte ich von einem Mann, der sein Geld mit Sprechen verdient, aber mehr Synonyme erwartet: aufsehenerregend, außerordentlich, beeindruckend, bestechend, bemerkenswert, erstaunlich, fulminant, brillant, bewundernswert, …)

Zum Spiel Spanien- Chile wurde Me endlich munter, ja geradezu erfrischt erklomm er schwierige sprachliche Höhen und steckte damit auch Gerd Gottlob und Mo an.

Me: „Wucht und Wille, die zwei W’s reichen aus, um Spanien zu besiegen.“

Mo: „Tiki-Taka ist jetzt reif für Taka-Tuka.“

GG: „Da packt ihn der Wahnsinn, das kann doch nicht wahr sein.“

Mo: „W und W und T und T – höhöhöhö!“

http://de.wikipedia.org/wiki/Alliteration

http://de.wikipedia.org/wiki/Phraseologismus

Nach dem Spiel wurde Cristo Redentor (Christo der Erlöser) eingeblendet, was Mo zu einem wirklich blamablen Hinweis auf den nicht verstehbaren Willen des Himmels verleitete: „Auch Christus konnte den Spaniern nicht helfen, die Messe ist gesungen.“

Die Australier tragen tapfer die Niederlage und ebenso tapfer eine grüngelbe 60er-Jahre-Kombination, die besser zu diesem Verein passen würde:

http://www.fsv-gruen-gelb-osterfeld.de/Joomla/index.php

 


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Über die gefühlten „Wie“ und „Als“ in keinster Weise – WM-Sprach- und Stilkritik zum 17.6.2014

Olli 2 (Herr Kahn) hat ja schon 2010 eine klare Unsicherheit in dem Gebrauch der Vergleichspartikel „wie“ und „als“ gezeigt. Nach „gefühlten“ (dazu gleich mehr) 15 Fehleinsätzen deshalb heute eine Anweisung zum richtigen Gebrauch. http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/als-wie

Ja, und auch Olli 1 verzettelt sich manchmal in Umgangssprache: „Bis dahin war es ein gefühlter Sieg.“ Man kann einen Sieg natürlich nicht „fühlen“, man kann ihn aber erwarten oder annehmen. Dieses nervtötende avantgardistisch daherkommende „gefühlt“ ist ein (falsches) Synonym für „etwa/ungefähr“. Nun ja, Gefühle können schon einmal ungefähr sein.

Herr Rethy wieder ganz in seinem Element: „Sie sind in keinster Weise zu beschäftigen.“ „In keinster Weise“ steht tatsächlich im Duden und meint, umgangssprachlich scherzhaft, „überhaupt nicht“. Grammatikalisch ist das allerdings ganz und gar falsch, denn „kein“ ist nicht steigerbar. Und „gefühlt“ waren sowohl Brasilianer als auch Mexikaner ziemlich beschäftigt, wenn auch ergebnislos.

Auch Marouane Fellaini folgt dem Retrotrend, dieses Mal Richtung Siebzigerjahre: Die Paul-Breitner-Matte hat Stil! Fellaini-Fans sollten unbedingt bei der nächsten Versteigerung mitbieten:

http://www.ebay.de/itm/Afro-Paul-Breitner-Style-Peruecke-Porno-Locken-70er-Zuhaelter-Karneval-Fasching-/200762064444


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Die versohlte iberische Halbinsel (frei nach M. Opdenhövel) – WM-Sprach- und Stilkritik zum 16.6.2014

Zur iberischen Halbinsel gehören nicht nur Portugal, sondern auch Spanien, Andorra und Gibraltar – und so können wir uns doch wirklich über die Übermacht der deutschen Mannschaft freuen, die in 90 Minuten gleich 4 Staaten „versohlt“ hat.http://de.wikipedia.org/wiki/Iberische_Halbinsel

Knappste Analyse, die an Professionalität und sportjournalistischem Know-how nichts zu wünschen übrig lässt:
Mo (Opdenhövel): „Ein Wort zu Ronaldo?“
Me (Scholl): „Nö.“
Dafür gebe ich doch gern Gebühren aus.

Unsinnigste Feststellungen:
Mo: „Er hat seine Muskeln in der Kabine gelassen.“
Me: „Das geht nur mit Mannschaft, sonst nicht.“

Unser aktueller Nationalheld Thomas Müller leidet nach dem Spiel an einer partiellen Amnesie und meint zu dem Disput mit Pepe:
„Ich weiß gar nicht, wie ich mich aus der Affäre gezogen habe.“


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Exempel für einen guten Dialog oder: das Geburtstagsgeschenk und das p’tit vélo – WM-Sprach- und Stilkritik zum 15.6.2014

Exempel für einen guten Dialog oder: das Geburtstagsgeschenk und das p’tit vélo

Olli 1 (Herr Welcke): „Hier noch ein Überraschungsgruß für – dich, Olli.“

[Niedrigst aufgelöstes Video mit Happy-Birthday-Grüßen von Me (Herr Scholl) und Mo (Herr Opdenhövel) für Olli 2 (Herr Kahn) wird eingespielt]

Mo: „Und wir haben heute frei, Mitleid für die heiße Terrasse …“

Olli 1 (an die Zuschauer): „Und jetzt trocknen Sie Ihre Tränen für jemanden, der hier in Rio de Janeiro auf der Terrasse stehen darf den ganzen Tag …“

Olli 2: „ … den lieben langen Tag nur Fußball …“

Olli 1: „Genau, der den lieben langen Tag nur über Fußball reden darf, das einzige Thema, das ihn interessiert.“

Olli 2s Gesichtszüge gehen nach unten, er versucht aber, das Grinsen zu halten.

Wir schätzen Olli 1 wegen seiner bissigen und pointierten heute-show. Wir belächeln Olli 2 hin und wieder wegen seiner unkritischen und unpolitischen Haltung zur Welt. Jemanden, der Geburtstag hat, vor laufender Kamera derartig in Misskredit zu bringen, zeugt aber von ganz, ganz schlechtem Stil. Ganz böse wurde es dann in der Halbzeitpause des Spiels Frankreich – Honduras

Olli 1: „Ist ja gut, dass die Technik (die neue Torlinientechnologie) erst nach deinem Karriereende eingeführt wurde. Du hast gerade noch rechtzeitig Schluss gemacht.“

Meine Prognose: Die unterschwellige Abneigung des intellektuellen Journalisten gegen einen, der arrogante Oberlehrer nicht ausstehen kann, wird am Ende der WM zur Scheidung führen.

Meine ganze Sympathie gehört Mathieu Valbuena, er ist nämlich nur unwesentlich größer als die Eckfahne (http://home.arcor.de/fussball-sport/regeln/regel01.html) und damit immer noch größer als ich.


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Mann mit Dutt gegen pura vida und Kreuzritter gegen cane non mangia cane – WM-Sprach- und Stilkritik zum 14.6.2014

Was für ein Abend! Das ARD-Team hat wieder alle Rekorde gebrochen, was schlechte Manieren und sprachliche Tiefschläge betrifft. Ich bin trotzdem ein heimlicher Fan von Mehmet Scholl (Me), dessen zurückhaltender Charme recht niedlich daher kommt und dem ich deswegen manche Entgleisung gern verzeihe. Zudem hat er gegen Matthias Opdenhövel (Mo) keine Chance. Beide fallen sich ständig ins Wort, wobei Mos Frequenz bei geschätzten 70 Prozent liegt – dafür gibt es eine 6 in gutem Betragen, schließlich soll man den anderen ausreden lassen.

Mos Sprechgeschwindigkeit hat sich seit 2010 noch einmal erhöht, sodass es mitunter schwierig ist, den Sinn der heruntergehetzten Sätze zu erschließen – dafür gibt es eine 6 im Fach Rücksichtnahme auf den zuhörenden Zuschauer. Mos schönste Fehlleistungen: 1. „Manaus ist definitiv die Sauna der WM.“ Er meinte das Stadion, in dem es sehr schwül ist; und eine Weltmeisterschaft kann keine Sauna sein. Zum zweiten hätte ein Hinweis auf den unsinnigen Bau der Arena im Dschungel, bei dem 4 Menschen starben, etwas Tiefe geboten. Ich stelle aber immer wieder fest, dass Sportreporter entweder falsch oder gar nicht recherchieren. 2. „Das wird mich in meiner Meinung nicht umändern.“  Mo gibt hier den versierten Simultan-Dolmetscher eines Twitterbeitrags von Buffon. Dafür gibt es natürlich eine 6 im Fach Italienisch.

Mes dümmliche Feststellung „Der Grieche an sich stolpert ins Turnier“ ist keine Glanzleistung, was Respekt betrifft. Das umgangssprachliche „an sich“ suggeriert zudem, dass jeder Grieche bei Turnieren stolpert; und eigentlich meint Me, dass die griechische Mannschaft etwas Zeit braucht, um bei der WM gut Fußball zu spielen. Gut gefallen hat mir Mes „afrikanische Grätschen gegen südamerikanische Fouls“ – das zeigt ausbaufähiges Potenzial, Herr Scholl.

Gerd Gottlob, Moderator des Spiels Kolumbien – Griechenland: „Das Spielverständnis war nicht optimal ausgenutzt.“ Ein Verständnis kann man nicht ausnutzen, man kann allerdings seinen Verstand benutzen, um etwas mehr Verständnis zu erlangen.

Tom Bartels, Moderator des Spiels Uruguay – Costa Rica: „Mit beiden Beinen um den Bauch fassen, das macht einen vorzüglichen Eindruck.“ Dies war ein Kommentar zu einem Foul, bei dem ein Spieler einen anderen mit den Beinen umklammerte (Hände können fassen, Beine jedoch nicht), und das machten eher keinen guten Eindruck.

Die Griechen tragen hanseatische Polokragen und versuchen sich im maritimen Look. Das hat leider nicht dazu beigetragen, das Schiff in den sicheren Hafen zu lotsen.

Martin Cáceres, der Mann mit dem Dutt, zeigt uns den Bund seiner Unterhose mit dem Aufdruck „men“ – eine reizvolle Mischung aus 50er-Jahre-Frisur und Genderzuordnung. So macht er unmissverständlich klar, dass er wirklich ein Mann ist (und nicht etwa eine Frau).

Die englischen weißen Warmhaltecapes mit überdimensionalem roten Kreuz auf dem Rücken erinnern an Richard Löwenherz, der es auch beim dritten Kreuzzug nicht schaffte, Jerusalem einzunehmen. Da hat der Ausstatter der englischen Mannschaft leider kein Gewinner-Symbol ausgewählt.